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IoT in der Hellweg-Region: Chancen für Soest, Werl & Unna

31. Januar 2026
Timo WevelsiepTimo Wevelsiep
IoT in der Hellweg-Region: Chancen für Soest, Werl & Unna

Die Hellweg-Region rund um Soest, Werl und Unna steht vor einem digitalen Aufbruch. Das Internet der Dinge (IoT) bietet lokalen Unternehmen und Kommunen in Südwestfalen enorme Chancen: Von Smart Farming auf den fruchtbaren Böden der Soester Börde bis zu Smart-City-Anwendungen in den Innenstädten – IoT-Technologien machen Prozesse effizienter und die Lebensqualität höher.

IoT-Infrastruktur im Hellweg-Raum

Die Grundvoraussetzung für IoT ist eine leistungsfähige Netzinfrastruktur. Hier hat sich in der Region viel getan:

Glasfaser und 5G

Der Breitbandausbau schreitet voran: Im gesamten Kreis Soest laufen Arbeiten für ein flächendeckendes Glasfasernetz mit dem Ziel, bis spätestens 2030 alle Haushalte mit gigabitfähigen Anschlüssen zu versorgen. Parallel investieren Mobilfunkbetreiber in den 5G-Ausbau: Bereits 2021 wurde in Soest die erste 5G-Station aktiviert, gefolgt von Standorten in Ense, Werl, Möhnesee und weiteren Orten.

LoRaWAN – das IoT-Rückgrat der Region

Neben Breitband und Mobilfunk entsteht eine dedizierte IoT-Infrastruktur auf Basis von LoRaWAN. Die Stadtwerke Soest betreiben seit 2017 ein eigenes LoRaWAN-Netz und testen vielfältige Einsatzmöglichkeiten. LoRaWAN ist ein speziell für IoT entwickeltes Funknetz mit großer Reichweite und minimalem Energiebedarf – ideal, um Sensoren drahtlos anzubinden.

Auch zivilgesellschaftliche Initiativen engagieren sich: Die Community The Things Network Südwestfalen baut ein offenes, frei zugängliches IoT-Datennetz auf. Ziel ist es, durch ein von Bürgern und Unternehmen unterstütztes Gateway-Netz die gesamte Region mit IoT-Konnektivität zu versorgen.

Smart-City-Initiativen in der Region

Modellprojekt "5 für Südwestfalen"

Soest wurde im Rahmen der Bundesförderung Modellprojekte Smart Cities als einer der "5 für Südwestfalen" ausgewählt. Die Stadt hat 2021 eine Smart-City-Strategie aufgesetzt, um bis 2030 digital vernetzt, nachhaltig und klimaneutral zu werden. Erste Projekte – von der Urban Data Platform über Bürger-Apps bis zu IoT-gestützten Klimasensoren – sind bereits in Umsetzung.

Smart Region Kreis Unna

Im Kreis Unna haben alle zehn Kommunen gemeinsam mit dem Kreis eine Vision zur Entwicklung einer Smart Region Kreis Unna formuliert. Dieses interkommunale Bündnis soll den Kreis als vernetzten Wirtschaftsstandort zwischen Ruhrgebiet, Münsterland und Südwestfalen voranbringen – mit gemeinsamen digitalen Plattformen und der Erkenntnis, dass Digitalisierung nicht an Stadtgrenzen haltmacht.

BürgerWOLKE Soest

Ein Leuchtturmprojekt ist die BürgerWOLKE Soest, gefördert vom Land NRW. 100 kostengünstige Sensorsysteme wurden im Stadtgebiet installiert und liefern in Echtzeit Klimadaten (Temperatur, Luftfeuchte) über LoRaWAN an eine Urban Data Platform. Gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst und dem Fraunhofer-Institut werden die Daten genutzt, um städtische Klimamodelle zu verbessern – ein erster Schritt hin zu einem Urban Climate Twin für Soest.

Anwendungsfelder mit lokalem Bezug

Smart Farming in der Soester Börde

Die Soester Börde mit ihren fruchtbaren Lössböden ist prädestiniert für Smart Farming. Landwirte können IoT nutzen, um Bodenfeuchte, Wetterdaten und Pflanzenwachstum in Echtzeit zu überwachen. Vernetzte Sensoren liefern kontinuierlich Daten, sodass Bewässerung und Düngung präzise gesteuert werden können.

In Haus Düsse (Bad Sassendorf) wurde 2022 ein Zentrum für Digitalisierung in der Landwirtschaft eingerichtet. Dort helfen Expertinnen und Experten den Landwirten, passende digitale Systeme – von Melkrobotern bis Datenplattformen – für ihren Hof auszuwählen.

Energie- und Gebäudemanagement

Smart Metering ermöglicht, Strom-, Gas- und Wasserzähler per Funk auszulesen. Die Stadtwerke Soest testen bereits IoT-fähige Zähler und LoRaWAN-Module, um Wasserverbrauch und Netzleckagen frühzeitig zu erkennen.

Für Unternehmen bietet die Wirtschaftsförderung Kreis Soest die wfg.IOT-BOX an – ein Gerät, mit dem bestehende Maschinen unkompliziert digital nachgerüstet werden können. Die erfassten Verbrauchsdaten helfen, Optimierungspotenziale beim Energieeinsatz zu identifizieren und unterstützen die CO₂-Bilanzierung.

Verkehr und Mobilität

Im Rahmen der Smart Region Kreis Unna ist das Projekt LuFtHub geplant – ein Luftqualitäts- und Verkehrsdaten-Hub für die Städte Lünen, Fröndenberg und Holzwickede. Entlang stark befahrener Straßen sollen Umwelt- und Verkehrsdetektoren Daten zu Feinstaub, Lärm und Verkehrsfluss in Echtzeit liefern.

In Soest testet man smarte Parksysteme via LoRaWAN: Per App oder Display lässt sich abrufen, wo es noch einen freien Parkplatz gibt. Weniger Suchverkehr bedeutet flüssigeren Verkehr und weniger Emissionen.

Industrie 4.0 in lokalen Gewerbegebieten

Die Hellweg-Region beherbergt zahlreiche mittelständische Industrie- und Handwerksbetriebe. In Gewerbegebieten wie Unna/Kamen oder dem Gewerbepark Werl werden Produktionsprozesse zunehmend digital vernetzt. Sensoren an Maschinen erfassen Zustandsdaten und ermöglichen Predictive Maintenance – vorausschauende Wartung, bevor ein teurer Ausfall passiert.

Für kleinere Betriebe mit älteren Maschinenparks bietet die wfg.IOT-BOX eine einfache Retrofit-Lösung: Stromverbrauch, Laufzeiten und Stückzahlen lassen sich ohne große Investitionen erfassen und in Grafana oder ThingsBoard visualisieren.

Umweltüberwachung und Klimaschutz

Neben der BürgerWOLKE gibt es weitere Umwelt-IoT-Anwendungen:

  • Luftgütesensoren können in belasteten Zonen Feinstaub- und NO₂-Werte ständig messen
  • Pegelsensoren an Lippe und Ruhr ermöglichen Hochwasser-Frühwarnung
  • Smart Waste: Füllstandssensoren in Glas- und Altpapiercontainern optimieren Leerungsfahrten
  • Intelligente Straßenbeleuchtung passt die Lichtstärke dem Fußgängeraufkommen an

Herausforderungen bei der regionalen IoT-Umsetzung

Netzinfrastruktur und Standards

Auch wenn Glasfaser und 5G im Ausbau sind, gibt es noch Lücken – insbesondere in ländlichen Außenbereichen. Der Aufbau flächendeckender LoRaWAN-Netze erfordert, dass Kommunen, Versorger und Community-Initiativen an einem Strang ziehen. Interoperabilität und offene Standards sind entscheidend, um Insellösungen zu vermeiden.

Datenschutz und IT-Sicherheit

Rund 71% der deutschen Kommunen nennen Datenschutz sowie offene Rechtsfragen als größte Hemmnisse beim Einsatz neuer digitaler Technologien. IoT-Sensoren und -Gateways müssen gegen Hackerangriffe abgesichert werden. Nur wenn Bürger und Unternehmen Vertrauen in die Datensicherheit haben, werden IoT-Lösungen breite Akzeptanz finden.

Fachkräftemangel

Der akute Mangel an IT-Fachkräften trifft gerade kleinere Städte und Gemeinden hart. Kommunen konkurrieren mit der Privatwirtschaft um Talente. Weiterbildung, Kooperation mit der Fachhochschule Südwestfalen in Soest und regionale Kompetenzzentren wie das Zentrum in Haus Düsse sind wichtige Gegenmaßnahmen.

Investitionen und Fördermittel

IoT-Projekte erfordern zunächst Investitionen in Hardware, Netzwerktechnik und Softwareplattformen. Viele Innovationen sind nur dank Fördermitteln von Land, Bund oder EU möglich. Wichtig ist, Pilotprojekte als Proof of Concept aufzusetzen und Erfolge sichtbar zu machen, bevor skaliert wird.

Fazit: Die Hellweg-Region auf dem Weg zur Smart Region

Die Region rund um Soester Börde, Werl und Unna besitzt bereits eine gute Ausgangsbasis, um vom Internet der Dinge zu profitieren. Die digitale Infrastruktur – von Breitband bis LoRaWAN – wird kontinuierlich verbessert, und Vorzeigeprojekte wie die BürgerWOLKE Soest zeigen den Nutzen deutlich auf.

Mit Kooperation, Weitsicht und gezielter Förderung kann das IoT-Potenzial im Hellweg-Raum gehoben werden – sei es in der Landwirtschaft, der Energieeinsparung, der Verkehrssteuerung, der Industrie oder dem Umweltschutz. Auf diese Weise wird die Region nicht nur digitaler, sondern auch zukunftsfähiger und lebenswerter.


Sie planen ein IoT-Projekt in der Hellweg-Region? Wir unterstützen Kommunen und Unternehmen in Südwestfalen bei der Konzeption, Umsetzung und dem Betrieb von IoT-Lösungen – von der LoRaWAN-Infrastruktur über Managed Hosting bis zur Datenvisualisierung mit Grafana und ThingsBoard.

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Quellen

  1. Breitbandausbau – schnelles Internet für unterversorgte Gebiete – Kreis Soest
  2. 5G für den Kreis Soest: Vodafone baut Infrastruktur aus – Presseportal
  3. Innovationstreiber Stadtwerke: LoRaWAN-Technik bietet großes Potential – Stadtwerke Soest
  4. Südwestfalen - The Things Network Community – The Things Network
  5. Smart City Soest – Stadt Soest
  6. Interkommunale Zusammenarbeit als Erfolgsmodell: Die Smart Region Kreis Unna – Smart City Dialog
  7. Neues Zentrum für Digitalisierung in der Landwirtschaft – Landwirtschaftskammer NRW
  8. Neues Angebot: Mit der wfg.IOT-BOX Verbrauchsdaten zur CO2-Bilanzierung erfassen – wfg Kreis Soest
  9. Soest wird digitaler – auch der Job bei der Stadt – Karriere Soest
  10. Zukunftsradar Digitale Kommune 2024 – Deutscher Städte- und Gemeindebund
  11. Kommunale Verwaltung - Die größten Hürden bei der Digitalisierung – Grant Thornton
  12. LoRaWan und IoT-Lösungen – Smart Cities: 5 für Südwestfalen

Häufige Fragen

Was ist LoRaWAN und warum ist es für die Hellweg-Region wichtig?
LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) ist ein energiesparendes Funknetz speziell für IoT-Anwendungen. Die Stadtwerke Soest betreiben seit 2017 ein eigenes LoRaWAN-Netz, das Sensoren über große Entfernungen drahtlos anbindet – ideal für Smart Farming, Umweltüberwachung und Smart Metering in der Region.
Welche Smart-City-Projekte gibt es in Soest?
Soest wurde als Teil der '5 für Südwestfalen' in das Bundesprogramm Modellprojekte Smart Cities aufgenommen. Aktuelle Projekte umfassen die BürgerWOLKE mit 100 Klimasensoren, eine Urban Data Platform, smarte Parkplatzsuche und IoT-gestützte Umweltüberwachung.
Wie können Landwirte in der Soester Börde von IoT profitieren?
Die fruchtbare Soester Börde ist prädestiniert für Smart Farming. IoT-Sensoren überwachen Bodenfeuchte, Wetterdaten und Pflanzenwachstum in Echtzeit. Das Zentrum für Digitalisierung in der Landwirtschaft in Haus Düsse (Bad Sassendorf) unterstützt Landwirte bei der Auswahl passender digitaler Systeme.
Was ist die BürgerWOLKE Soest?
Die BürgerWOLKE ist ein vom Land NRW gefördertes Projekt mit 100 kostengünstigen Klimasensoren im Stadtgebiet Soest. Die Sensoren liefern Echtzeitdaten zu Temperatur und Luftfeuchte über LoRaWAN an eine öffentlich zugängliche Urban Data Platform.
Welche IoT-Förderprogramme gibt es in Südwestfalen?
Die Region profitiert von mehreren Förderprogrammen: Das Bundesprogramm Modellprojekte Smart Cities fördert Soest als einen der '5 für Südwestfalen'. Zusätzlich gibt es Landesförderungen wie für die BürgerWOLKE und interkommunale Initiativen wie die Smart Region Kreis Unna.
Wie steht es um die 5G-Abdeckung im Kreis Soest?
Seit 2021 ist die erste 5G-Station in Soest aktiv. Weitere Standorte in Ense, Werl, Möhnesee und anderen Orten folgten. Mittelfristig soll die gesamte Region – analog zur bisherigen 4G-Abdeckung – ans 5G-Netz angebunden werden.
Was ist die wfg.IOT-BOX?
Die wfg.IOT-BOX ist ein Angebot der Wirtschaftsförderung Kreis Soest. Das Gerät ermöglicht es Unternehmen, bestehende Maschinen unkompliziert digital nachzurüsten und Verbrauchsdaten zu erfassen – ideal für Energiemonitoring und CO₂-Bilanzierung.
Welche Herausforderungen gibt es bei der IoT-Umsetzung in Kommunen?
Die größten Hürden sind Datenschutz (71% der Kommunen nennen dies als Haupthindernis), Fachkräftemangel in IT-Abteilungen, Netzabdeckung in ländlichen Gebieten sowie der Investitionsbedarf für Hardware und Plattformen.

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